Zwanzig Jahre später hat Hesse diesen Stoff, der den Konflikt zwischen Geist und Eros zu vereinbaren sucht, wieder aufgegriffen und ihm in »Narziß und Goldmund« eine definitive Gestalt gegeben. Über den Schluß der Erzählung »Berthold« schrieb Eduard Korrodi 1945: »Dies Ende ist wohl das ungewöhnlichste, das Hermann Hesse je geschrieben hat. Der Dichter ließ es beim Fragment bewenden, das von Leidenschaften unheimlich vibriert ... Das Bild dieses sinnierenden Unholds und Kraftmenschen, der ein ebenso gewalttätiger Humanist wie Nihilist hätte werden können, bleibt ebenso haften, wie es begreiflich ist, daß ihm der Dichter nicht in den Schatten der Fahnen folgen wollte. Er ist zu sehr an sein Unerforschliches herangekommen. Das genügt ihm und den Lesern, die Gut und Böse in unheimlichem Bündnis sehen.«
Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano.
Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin.
Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.