Die unsichtbare Stadt: Ein Oberbürgermeister lernt, sein Rathaus zu lesen

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Thomas Weller, parteiloser Quereinsteiger und ehemaliger IT-Geschäftsführer, gewinnt mit 52,3 Prozent die OB-Wahl in Neustadt an der Linde. Er tritt an mit einem 71-Seiten-Reformplan und der Überzeugung, dass gesunder Menschenverstand reicht, um eine Verwaltung mit 3.000 Beschäftigten zu modernisieren. Er irrt sich. Schon eine kaputte Bushaltestelle zeigt ihm das Ausmaß: 16 Unterschriften, 9 beteiligte Stellen, geschätzte Reparaturdauer neun Monate. Für ein Dach, eine Bank und einen Abfluss. Wellers Reformpläne prallen an einer Mauer aus Höflichkeit ab - niemand sagt Nein, aber niemand handelt. Ein kaputter Kaffeeautomat im Flur wird zum Symbol: 300 Euro Reparaturkosten, 4.000 Euro Verwaltungsaufwand für die Zuständigkeitsklärung. Nach zehn Monaten ist Weller am Tiefpunkt. Der systemische Berater Karl Mertens stellt ihm drei Fragen, die sein Bild der Verwaltung auf den Kopf stellen: Die Probleme sind keine Fehler - sie haben Funktionen. Das System schützt sich durch Fehlerfreiheit als Identität. Und Veränderung bedroht nicht Arbeitsplätze, sondern den Selbstwert der Menschen. Die Wende beginnt klein: Eine Mitarbeiterin stellt eine Filtermaschine für 29 Euro in eine Teeküche. Daraus entsteht ein ämterübergreifendes Team, das in vier Wochen mehr bewegt als Wellers Plan in zehn Monaten. Die erste Online-Meldebescheinigung geht live, der Baugenehmigungsprozess wird halbiert, Retrospektiven werden Routine. Weller lernt, dass er nicht das System ändern muss, sondern den Raum schaffen, in dem die Menschen es selbst tun. Am Ende - nach 24 Monaten - funktioniert nicht alles. Aber die Verwaltung hat begonnen, sich selbst zu verbessern. Und der Kaffeeautomat ist immer noch kaputt. Absichtlich. Weil manche Symbole mächtiger sind als jede Reparatur.
Thomas Weller, parteiloser Quereinsteiger und ehemaliger IT-Geschäftsführer, gewinnt mit 52,3 Prozent die OB-Wahl in Neustadt an der Linde. Er tritt an mit einem 71-Seiten-Reformplan und der Überzeugung, dass gesunder Menschenverstand reicht, um eine Verwaltung mit 3.000 Beschäftigten zu modernis...

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Prof. Dr. Georg Kraus, geboren 1965 in Friedrichshafen, begleitet seit über 35 Jahren Organisationen durch Veränderungsprozesse. Der promovierte Diplom-Wirtschaftsingenieur hat in dieser Zeit mit Hunderten von Verwaltungen, Behörden und Unternehmen gearbeitet - und dabei erlebt, was Strukturen mit den Menschen machen, die in ihnen arbeiten. Als Professor an der Technischen Universität Clausthal verbindet er wissenschaftliche Reflexion mit praktischer Erfahrung. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher zu den Themen Change Management, Projektmanagement und Führung. Sein Konzept des "Virtuellen Amts für unmögliche Aufgaben" zeigt, wie Verwaltungen sich selbst transformieren können - nicht durch externe Eingriffe, sondern durch die Kraft der eigenen Mitarbeitenden. Co-Creation statt Intervention, Befähigung statt Belastung.

Prof. Dr. Georg Kraus, geboren 1965 in Friedrichshafen, begleitet seit über 35 Jahren Organisationen durch Veränderungsprozesse. Der promovierte Diplom-Wirtschaftsingenieur hat in dieser Zeit mit Hunderten von Verwaltungen, Behörden und Unternehmen gearbeitet - und dabei erlebt, was Strukturen mi...

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